Paul Blickle, a student participant at SND Vegas offers a report for all the German news designers who couldn’t make it this year. It is written in German and contains recaps of some workshop sessions as well as a short summary of the whole event from his own point of view.
Nach 21 Stunden Anreise, 16 davon in der Luft, galt es als erstes den Zeitunterschied von 9 Stunden zu ignorieren und nach einem Drink in der Lobby des Red Rock Resort trotzdem ins Bett zu gehen. Am Sonntag Vormittag gingen die Sitzungen für Studenten los.
There’s more to Typography than flush-left Helvetica
Kimberly Elam, Ringling College of Art and Design
Mit verschiedenen Stilmitteln lässt sich Schrift mehr Ausdruck zu verleihen, das hat Kimberly Elam anhand einiger Beispiele gezeigt, viele bekannte und berühmte Poster von Bauhaus bis Sagmeister waren dabei. Auch präsentierte sie Ergebnisse von Studenten ihrer Kurse am Ringling College of Art and Design, teils mit dem Enstehungsprozess, bei dem die verschiedenen Techniken agewendet wurden. Dazu gehören unter anderem Collagen, ikonogafische (z.B. human letterforms), von Hand gezeichnete und räumlich ausgeprägt wirkende Buchstaben. Schon durch den dezenten Einsatz einfachster Mittel wie perspektivische oder isometrische Anordnung von Schriftzügen können Anzeigen zu Blickfängern gemacht werden. Für den eingefleischten Typografen ist das alles nichts neues, aber Elam gewährte auch Einblicke in ihre konkreten acht typograischen Systeme, wie sie sie nennt. Dabei geht es um die Anordnung, zum Beispiel axial, radial, im Raster oder dilational und was sich jeweils durch Gruppierung, Laufweite und Färbung erreichen lässt. Besonders gefiel mir, wie sie die Abgänger ihrer Kurse einen Eid ablegen lässt, in dem sie schwören, niemals Buchstaben zu quetschen, stapeln, korrekt zu trennen, Schrift nicht mit Outlines zu versehen, Gedankenstriche richtig zu verwenden und sonstige blasphemische Verbrechen gegen Typo auszuüben. Großartig!
Designing beyond print
Josh Williams, Las Vegas Sun
Der New Media Projects Editor der lokalen Zeitung von Las Vegas präsentierte den gewissenhaft gepflegten Onlineauftritt seines Arbeitgebers. Von der multimedialen Belastung ihrer Zeit voraus, verwöhnt die Seite mit fürs Web ungewohnt hoch aufgelösten Videos und Diashows mit Audio. Desweiteren findet man dort jede Menge interaktiver Infografiken. Eine davon behandelt anschaulich die Geschichte der Stadt, besonders die des Strips, der Haupstraße mit den Casinos und Hotels. Der Flight Delay Calculator berechnet auf Basis gesammelter Daten und Statistiken, mit welcher Wahrscheinlichkeit man mit wie viel Zeit am Flughafen verliert. Der Trend, mehr aus den Webauftritten raus zu holen, ist weltweit zu verspüren. Las Vegas Sun zeigt, wie’s geht.
Am Abend des Sonntags fand der Begrüßungsempfang am Pool des Red Rock statt. Erste Gelegenheit, bei Appetizern und Drinks die anderen Teilnehmer in Gesprächsrunden anzutreffen und Kontakte zu knüpfen. Die wurde für so manchen im Bowlingcenter des Hotels fortgeführt, wo der Abend seinen Ausklang nahm.
Zum Programm, das für alle Teilnehmer offen war: Die vielen Redner gab der Hörerschaft einige ihrer Ideen und Philosophien mit auf den Weg, die sie getreu dem Motto der Konferenz „reinvent yourself. reinvent everything.“ vielleicht in ihre eigene Arbeit einfließen lassen wird.
Gut ein Drittel der Besucher war von außerhalb der USA und es war jede Menge studentischen Nachwuchses anwesend (ich als einziger zähle zu beidem).
Der Montag begann für manche mit einem Frühstück, bei dem sie von einem Elvis-Darsteller besungen wurden. Im Anschluss begannen die Keynotes mit Dale Peskin, Gründer und Managing Director von iFocus und Seven26group, der das allgemeine Problem der Zeitungen darin sieht, dass ihre Geschichten sowohl „left-brainers“ (vorwiegend mit der linken Gerhirnhälfte denkende Menschen) und „right-brainers“ (die vom kreativeren Typ) ansprechen müssen, um in der sich wandelnden Medienlandschaft einen festen Standpunkt halten zu können.
Für den Poeten und Schriftsteller Rives, der leider absagen musste, sprang Überraschungsgast Ze Frank mit einer sehr unterhaltsamen Performance und Bilderschau ein. Mit einer selbstgebastelten Internet-Anwendung, die verrückte Tanzstile aneinanderreiht, eher ungewollt im Netz berühmt geworden, baute der New Yorker Humorist eine Online-Community auf, mit der er sämtliche der Phänomene, die sich im Internet abspielen, auf die Schippe nimmt. Als Beispiele hierfür dienen ugly, einen fiktiven Wettbewerb, wer die hässlichste mySpace-Seite gestaltet hat und Earth Sandwich, bei dem es gilt, mit Hilfe von GPS zwei Scheiben Brot auf gegenüberliegende Punkte des Planeten zu plazieren.
Der Montag Abend bestand aus der Preisverleihung mit dazugehörigem Bankett. Die Liste ist lang; Wer mit welcher Auszeichnung nach Hause ging, kann man hier nachlesen.
Sailing across the Atlantic: How to get the readers aboard
Jördis Guzmán Bulla, Art Direction der Welt Am Sonntag, Berlin
Bei Jördis’ Präsentation ging es hauptsächlich um ihre Teilnahme an einer Segelregatta über den Atlantik vergangenes Jahr, und wie sie es schaffte, den Lesern mit Bild und Text darüber zu berichten. Sie bediente sich des Iridium-Telefons, um die Daten über Satelliten in den Newsroom zu schicken. Zuvor erklärte sie dem interessierten Publikum die Entstehung der Corioliskraft zuerst anhand einer statischen Grafik, bei welcher der Aha-Effekt aber ziemlich aus blieb. Anschließend schaffte sie mit einer Animation, es auch dem letzten klar zu machen. Die Corioliskraft ist nämlich unter anderem für die Passatwinde zuständig, die sie für die Überquerung des Ozeans nutzte. Die Geschichten, die sie übermittelte, waren ihre persönlichen Erlebnisse. Unter anderem, wie sie einmal beinahe von Bord fiel. Fazit ist, das der Mix aus emotionaler Berichterstattung und technischen Erklärungen die meisten Leser fesseln kann.
Secrets of the Stars
John Grimwade, Graphics Director, Condé Nast Publications
Gesammelte Weisheiten aus der Welt der Infografiker hielt der Guru parat, vor allem was die Vorgehensweise bei der Erstellung von Grafiken sowohl im Print als auch im Web angeht. Er führte viele Beispiele vor, sogar ein paar negative, die er amüsant verpackt unter dem Titel „Nigel (Holmes) and John’s Infographic Nightmares“ in Szenen von Horrorfilmen reingeschnitten hat. Der Workflow von Jeff Goertzen von The Denver Post lautet „Research. Sketch. Write. Render.“, zu deutsch etwa: Recherchieren, Skizzieren, Schreiben, Ausarbeiten. Eine andere Philosophie verfolgt Juan Velasco von National Geographic: „Write the text first, not last“… Ausführliche Beschreibungen zu den Meinungen dieser und weiterer Personen wie Karl Gude, Pablo Ramirez und Sarah Slobin bietet John als bebilderte PDFs auf seiner Seite an. Vorsicht, streng geheim! 
Rethinking yourself as a motion designer
Jody Sugrue, Freiberuflich in Toronto, Kanada
Die fünf Schritte der „method to the madness“ erläuterte Jody folgendermaßen: Zuerst eine Geschichte, eine Idee oder ein Thema haben, die/das es zu visualisieren gilt. Also nicht ziellos drauf los arbeiten. Als nächstes visuelles Referenzmaterial sammeln und eine einzigartige Weise der Darstellung finden, um Verwechselbarkeit zu vermeiden. Dann (erst) kommt das Storyboard. Alles mit Bewegung zu versehen ist der fünfte und letzte Schritt. Dabei hilft es, mit anderen zusammen zu arbeiten, was die Kreativität fördert.
Immer mehr, vor allem junge Gestalter starten ihre Motoren auf der Motiondesign-Schiene, was unweigerlich dazu führt, dass bei dem Gedrängel schon mal die eine oder andere Regel missachtet wird. Nur ein Anliegen hat Jody: Getreu dem Motto „mit großen Effekten kommt große Verantwortung“ verlangt sie, dass die vielen Filter und Effekte nicht nur deshalb eingesetzt werden, weil sie da sind. Sie wünscht sich, ähnlich wie Kimerly Elam bei Typografie (s.o.), dass bei Motiondesign keine Verbrechen begangen werden. Dies gilt schon bei Glitzerndem Text und animierten Übergängen bei Präsentationsfolien.
Einblicke in ihr Schaffen bekommt man auf ihrem Portfolio. Neben Motiondesignerin ist sie auch Fotografin und gestaltet Webseiten und CD Booklets.
MAPublisher & SketchUp
Karl Gude, Co-Adviser, Michigan State University
John Allison, Student, Michigan State University
Ohne Punkt und Komma zu reden, dabei laufend abzuschweifen und trotzdem den Faden nicht zu verlieren, ist eine Kunst, die Karl Gude perfekt beherrscht. In rasantem Tempo stellte er das Plugin „MAPublisher“ für Adobe Illustrator vor und demonstrierte den wichtigsten Teil des Funktionsumfangs. Kartenmaterial, sei es von Gelände, Straßen, Gebäudeplänen, Geschäftsverzeichnissen und dergleichen, kann man importieren, kombinieren und auf einfachsten Wege in die selbe Darstellung (z.B. Mercator) und Maßstab bringen. Da es sich bei den Rohdaten um speziell formatierte geografische Informationen handelt (shp- und mif-Dateien), lässt sich die äußerliche Form, vergleichbar wie bei anständigen Web- und Print-Layouts, vom Inhalt getrennt behandeln. Hier kommen die tausendfach vorgefertigten und frei editierbare Style Sheets und Symbol-Sets zum Einsatz, um die stillosen Platzhalter zu ersetzen.
SketchUp ist ein 3D-Programm, mit dem selbst Laien im Handumdrehen ihre Ideen visualisieren können. Sogar Profis (Paradebeispiel Architekten) bevorzugen es oft wenn es darum geht, wirklich schnell eine grobe und dennoch anschauliche 3D-Grafik zu erzeugen. Das Programm von Google ist unter anderem darauf ausgelegt, mit Hilfe von vorliegendem Kartenmaterial existierende Gebäude nachzuzeichnen. Sind Ansichtsfotos davon vorhanden, kann man nach einer einfachen Ausrichtung der Eckpunkte auf dem Bild das Modell sogar mit der passenden Textur versehen. Für die Ausschmückung der Szenerien gibt es online eine schier endlose Sammlung an Vorlagen für Objekte.
Mein persönlicher Eindruck des SND Vegas Events: Die Society for Newsdesign versucht, den Überblick der medialen Möglichkeiten zu behalten und die Chancen, die sich bei ihnen auftun, korrekt einzuschätzen. Das sollte den Zeitungen, um deren schwierige Situation es ja geht, helfen, ihre Strategien und Taktiken rechtzeitig auf die heutzutage immer schneller stattfindenden Veränderungen auszurichten. Dass mindestens ein Drittel aller Vorträge etwas mit Internet zu tun hatten, lässt den Trend schon erahnen.
— Paul Blickle